Rede von René Burget Union Pacifiste de France (UPF) auf dem
Ostermarsch Mainz/Wiesbaden 2004
Europa ohne Armee !
Die Union Pacifiste de France (UPF), eine strikt unabhängige Vereinigung,
wurde 1961 als Folgeorganisation früherer Bewegungen gegen den
Militarismus gegründet, der Ursache aller Kriege ist.
Die UPF ist eine antiautoritäre und ehrenamtliche Organisation, die sich
für eine einseitige Abrüstung ausspricht. Das bedeutet für uns das Verbot
von Waffen und Rüstung, und also die grundsätzliche Verweigerung des
Kriegsdienstes in ganz Europa und in der ganzen Welt.
Die UPF ist wie die Deutsche Friedensgesellschaft Vereinigte
KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) eine Sektion der War Resisters
International.
Sprengladungen in Frankreich
Die französische Politik hat am 13. Februar 1960 ein neues terroristisches
Niveau erreicht. Damals wurde in der Sahara eine Atombombe gezündet. 193
Nukleartests wurden auch in Polynesien gefurzt. Es dauert heute noch an,
mit dem Laser Megajoule, einem kostspieligen in Bordeaux in Bau
befindlichem Atomversuchslabor.
Ich will diese terroristische Politik an einigen Punkten erläutern:
- 1995 fanden in Polynesien wieder Atomtests statt. Wir bezeichnen dies
als Attentate von Chirac dem Ersten, der Geisel der Nuklearlobby.
- Zwischen 1997 und 2001 wandelte sich die französische Armee zu einer
Armee von Berufssoldaten und nahm schrittweise um bis zu 200.000
Wehrpflichtigen pro Jahr ab. Es ist ein großer Fortschritt, dass die
jungen Männer in Frankreich nicht mehr zum Kriegsdienst gezwungen werden,
aber das französische Militär ist dadurch nicht friedlicher geworden. In
Zukunft sollen es 325.000 Berufssoldaten sein, unter ihnen 100.000
Gendarme. Das wird offiziell 2% des Bruttoinlandsproduktes verschlingen,
umgerechnet 28 Milliarden Euro pro Jahr nur für die Solden und Verwaltung.
Im Staatshaushalt wird das Kriegsbudget insgesamt 42 Milliarden Euro
umfassen.
- Für die Söldnerarmee wird massiv in den Vorstädten rekrutiert, unter den
jungen Immigranten der zweiten oder dritten Generation. So ist seit 2003
der Islam zur vorherrschenden Religion in der Armee geworden.
- Im Laufe der letzten Jahre hat der Einfluss der Waffenhändler in den
Medien merklich zugenommen, eine französische Besonderheit: 80% der
Zeitungsausgaben (die der Verlage Lagardère, Hachette, Dassault), 75 % des
Vertriebs, sowie zahlreiche Radiostationen und Fernsehkanäle werden direkt
von ihnen kontrolliert. Alle übrigen Medien sind praktisch indirekt
abhängig von den Werbeetats des Militärsektors. Sie fürchten die Anzeigen
von Waffenhändlern zu verlieren.
- Es ist ein Teufelskreis: die Waffenhändler bringen dank ihres Gewichts
in den Medien gemeinsam mit den Generälen und Ingenieuren, die sich in
diesen kriminellen Kreisen tummeln, Politiker hervor, die nach ihrer Wahl
für Militärhaushalte stimmen werden, die die Waffenhändler noch reicher
machen. Diese investieren darauf hin stärker in die Medien und so setzt
sich dieser Kreislauf fort. So etwas hat man in einer Demokratie noch
nicht gesehen!
Armee Abschaffen!
Die Union Pacifiste de France ruft auf zum Ungehorsam
- gegen die umfassende Militarisierung der französischen Gesellschaft,
gegen die kostspieligen Waffenkäufe, die dreifach von Staat subventioniert
sind:
- bei der Forschung und Entwicklung,
- bei der Herstellung und
- beim Export,
- gegen die militärische Kooperation in Afrika (Training in Folter- und
Kriegstechniken, um unbewaffnete Zivilisten zu terrorisieren),
- gegen den Plan Vigipirate, den Einsatz der Armee in Flughäfen, Bahnhöfen
und U-Bahnstationen, um angeblich dem Terrorismus vorzubeugen,
tatsächlich aber, um Immigranten zu verfolgen.
Die Versklavung der Immigranten in der Europäischen Union ist noch
offensichtlicher als in Frankreich, wo die Kolonialkriege noch immer nicht
verdaut sind.
Seit dem Schengener Abkommen ist Europa zu einer Festung gegen Einwanderer
geworden; die Politik der globalen Verunsicherung treibt diese Politik
weiter voran: Beispiel dafür ist LOPSI (Loi d orientation pour la
sécurité), das Orientierungsgesetz für die innere Sicherheit, das die
elektronische Durchsuchung und das Lesen elektronischer Nachrichten
erlaubt.
Es ist das gleiche Gesetz, das am 13. Februar 2003 verabschiedet wurde. Es
sieht auch eine Geldstrafe von bis zu 7.500 Euro für das Verunglimpfen der
Nationalhymne oder der Trikolore vor oder sechs Monate Gefängnis bei einer
geplanten Aktion.
Die Deserteure aus Algerien, Kosovo, Kurdistan und aus anderen Ländern...
haben keinen Flüchtlingsstatus in Frankreich.
Das Gesundheitswesen, die Renten, die Arbeitslosenunterstützung, die Hilfe
für die Ärmsten, das Bildungswesen, die Kultur, der Wohnungsmarkt, der
Nahverkehr, alles wird der Armee geopfert. Die Unzufriedenheit der
öffentlichen Meinung fängt an zu rumoren.
Das Wahre unserer Ideen kann wie ein Sandkorn genügen, um ein bisschen an
der enormen, absurden Maschinerie des Krieges, der Nationalen
Verteidigung zu kratzen und sie zu demoralisieren.
- Wir einladen ein zur Demonstration gegen das Bankett von Waffenhändlern
im Rahmen der Waffenmesse Eurosatory in Paris am Dienstag, dem 15. Juni,
unter dem Motto Fermons Eurosatory, Lasst uns Eurosatory schließen!
- Wir treten für ein unbewaffnetes Europa ein. Es gibt für die Umsetzung
dieser Forderung Kontakte mit der Gruppe Schweiz ohne Armee, wir haben
zusammen mit der Gruppe Schweiz ohne Armee und der von der Deutschen
Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen getragenen
Kampagne Bundesrepublik ohne Armee eine Fahrradtour nach Straßburg
organisiert.
Wir beteiligen uns an der europaweiten Kampagne gegen die geplante
kriegerische Verfassung der Europäischen Union.
Wir sind gegen diese EU-Verfassung!
Wir arbeiten für ein Europa, das sich dem Krieg verweigert!